Was hatten die Stadtväter aufgejault. EINEN lausigen Euro (!) hatte RWE den beteiligten kommunalen Versorgern für ihre jeweilige Kraftwerksscheibe am Gekko-Kraftwerk angeboten, wo sie doch bereits Hunderte von Millionen in das Bauwerk investiert hatten. Doch die Empörung sollte nur von eigenen Fehlentscheidungen ablenken. Die – vermeintliche – Aussicht auf ein gutes Geschäft hatte 23 Städte und Gemeinden vor ein paar Jahren dazu bewogen, sich über ihre Tochterunternehmen an dem geplanten Kohlekraftwerk von RWE zu beteiligen (ganz vorne dabei die Dortmunder DEW21). Doch es kam ganz anders: Wegen einer Unzahl von Pannen und Materialfehlern liefen die Investitionskosten und Zeitplanung völlig aus dem Ruder. Gleichzeitig sanken die Strompreise auf dem Markt erheblich. Bald wurde deutlich, dass das neue Kraftwerk nie kostendeckend würde Strom produzieren können.*

Blauäugig

Damit hatten die Städte und die dort tonangebenden Parteien nicht gerechnet. Dass obendrein einer der beiden Kraftwerksblöcke womöglich nie fertiggestellt werden könnte, war seitens der kommunalen Verhandlungsführer einfach nicht mitgedacht worden, und also gab es in den damals abgeschlossenen Verträgen kein Anrecht auf Entschädigung oder gar vorzeitige Vertragsauflösung. Die Ursache für das Desaster liegt klar in den damaligen Entscheidungen.

Im Dezember 2015 wurden sich die beteiligten Städte und RWE handelseinig (man hatte es plötzlich sehr eilig damit). Gegen eine beträchtliche Summe entließ der Konzern die beteiligten Städte aus allen vertraglichen Verpflichtungen. Die Bilanz für Dortmund: Zu den – bereits als verloren zu betrachtenden – Rückstellungen i.H.v. 65,3 Mio. € kam ein (zusätzlicher) Verkaufsverlust von 31,23 Mio. € sowie 12,6 Mio. € an „operativen Verlusten“ in 2015 hinzu. Will heißen: Allein Dortmund, bzw. die DEW21, hat beim Gekko-Abenteuer 109 Millionen Euro in den Sand gesetzt!

Köpfe gerollt?

Ein Fiasko, anders kann man es nicht nennen. Hat dafür irgendjemand in Dortmund Konsequenzen ziehen, etwa seinen Posten räumen müssen? Nein. Nicht einer! Lieber geht man ganz schnell wieder zur Tagesordnung über. Selbst G. Pehlke, der – anders als der heutige DEW-Chef – im Jahr 2007 maßgeblich an der Einleitung des Gekko-Invests beteiligt war, durfte sich im vergangenen Herbst über seine Wiederwahl zum Stadtwerke-Vorsitzenden freuen. Bei so viel Verantwortungsbewußtsein kann man schon mal den Glauben in die kommunale Demokratie verlieren…

Wir dürfen gespannt sein, wie das Abenteuer mit der STEAG-Beteiligung ausgeht.

 

* Siehe auch unsere früheren Einträge zur Gekko-Beteiligung auf dieser Website